Geschichte des Forsterhauses

Das Neustifter Heimatmuseum Forsterhaus in Kampl lässt sich urkundlich bis ins Jahr 1667 belegen, - als erster nachweislicher Eigentümer geht Thomas Oberacher durch Ankauf aus dem Annalen hervor. Damals war es ein einfaches Haus, eine so genannte Söllbehausung. Ortsangehörige von Neustift, die nur wenige oder gar keine Felder besaßen und sich deshalb nicht als Vollerwerbsbauer auf die Land¬wirtschaft konzentrieren mussten, bewohnten als Tagelöhner, Holzknechte oder Knappen solche Häuser. Zu dieser Liegenschaft gehörten neben dem Wohnhaus auch ein Backofen, ein Zu- und Innengebäude sowie ein Garten.

Durch Vererbung oder Verkauf wechselte das Haus im Lauf der Jahre gut zwanzigmal seine Eigentümer: Bis 1820 blieb der Besitz ungeteilt durch Erbe und Kauf in der direkten Linie der Familie Oberacher, dann ging das Haus an die verwandte Familie Kindl über (Realteilung). 1878 kaufte es das Geschwisterpaar Gleinser, vulgo Foster und nach den Neustifter Familien Volderauer und Wallner ging der Besitz nach Innsbruck, zum Kaufmann Hugo Hofer. 1917 kaufte der Missionsbund der Diener Mariens die Liegenschaft und verkaufte sie wieder drei Jahre später an den Katholischen Lehrer¬verein, in dessen Eigentum es bis 1984 blieb.

In der Kriegszeit wurde das Haus vom Militär besetzt. 1984 wurde das in der Zwischenzeit unter Denkmalschutz stehende Forsterhaus mit 1000 m² Grund der Gemeinde zum Kauf angeboten. Der damalige Gemeinderat beschloss einstimmig den Ankauf durch öffentliche Hand um darin sein seit längerer Zeit geplantes Heimatmuseum unter zu bringen.

Nach der genauen Konzepterstellung bzgl. Sanierungsvorschläge, Erfüllung der von Amtswegen vorgeschriebenen Auflagen sowie Budgetierung begann man sorgfältig mit den notwendigen Arbeiten um und am Gebäude. Die Bundesstraße wurde verlegt, ein Gehsteig entlang des Hauses

errichtet und als erste Renovierungsschritte begann man mit der Trockenlegung der Außenmauern sowie der Festigung des Fundaments. Ergänzungen im Bereich der Tenne, ein neues Schindeldach und die Restaurierung der Wandfresken folgten. 1999 konnte nur mit großer Anstrengung durch die Gemeinde -und mit finanzieller Unterstützung der KA, des BDA und der DE die Renovierungsmaßnahmen abgeschlossen werden. Zu dem Bauernhaus kamen zwei Nebengebäude dazu, 1999 ein Getreidekasten und 2002 ein Backofen.

Sämtliche aus Neustift stammende Objekte wurden gereinigt, haltbar gemacht, inventarisiert und gut passend in den Räumen untergebracht. Die Schwerpunkte des Heimatmuseums, das sich im oberen Stock einschließlich Tenne befindet, liegen vor allem auf den talschaftsbedingt ausgefeilten bäuerlichen Arbeitsgeräten (wie: Baujoch, Ferggl, Anze, usw.), den Berufen, die mit der Stör verbunden sind (wie: Schusterei, Schneiderei, Weberei, usw.), sowie einigen für die Talschaft typischen Einrichtungsgegenständen. Die Objekte werden dem Betrachter mit Archivfotos visuell näher gebracht und durch einen Begleittext ergänzt, ein Museumswart sorgt auf Wunsch für eine fachkundige Führung.

Das Gebäude ist im Erdgeschoss bewohnt. Unterhalb der Tenne befindet sich die Kulturstube, eine besonders wichtige multikulturelle Einrichtung in Neustift. In ihr finden über das ganze Jahr über verstreut Veranstaltungen wie Musikabende, Konzerte, Vorträge und Ausstellungen statt.

Das Heimatmuseum Forsterhaus in Kampl wurde am 4. Juni 2000 in einem Festakt feierlich eröffnet.