Störschusterei

Eine typische Verdienstmöglichkeit in unserer Talschaft war unter anderem neben dem Weber, Schneider auf der Wanderschaft auch die Störschusterei.

In Neustift gab es einige Schuster, die in regelmäßigen Abständen zu den Bauernhöfen auf die Stör gingen. Hauptsächlich im Winter wurden für die heranwachsenden Kinder und die Bauersleute neue Schuhe von dem am Bauernhof werkenden Schuster angefertigt. Ein bis zwei Wochen verbrachte der Störschuster am Hof und fertigte so ca. 2 Paar Schuhe in einer Woche an. Die Bauern stellten teilweise das Material selber zur Verfügung. Die Häute von geschlachteten Kühen wurden zur Gerberei gebracht und aufbereitet. Diese Rindshaut verwendete der Schuster als Obermaterial sowie teilweise als Bodenmaterial.

 

Man kannte zwei Macharten: einmal die holzgenagelten und einmal die zwiegenähten Schuhe, wofür zur Griffigkeit im Gelände Flügelnägel verwendet wurden.

 

Feiertagsschuhe wurden aus schwarzem Rindsleder (Rindsbox) gefertigt, wobei die Laufsohle teilweise mit Kopfnägeln bestückt wurde. Flügelnägel sowie Kopfnägel wurden in Fulpmes und in Neustift erzeugt, wobei in Neustift Anton Hofer vulgo Nogiler in der Scheibe der letzte Nagelschmied war (bis 1970). Dieser Nagelschmied erzeugte pro Tag 1000 Nägel. Allgemein haben solche handgemachten Schuhe 5 bis 10 Jahre gehalten. Der Lohn für die Schuster auf der Stör war sehr gering, manchmal gab es nur Verpflegung für die Zeit, in der die Schuster am Hof beschäftigt waren.

 

Namentlich bekannte Neustifter Störschuster waren: Alfred Greier sen., Anton Hofer, Felix Ribis, Josef Egger (Unterbeck), Stefan Gratl, Franz Pfurtscheller. Erich Hofer, Alfred Greier und Walter Greier waren die letzten Schusterlehrlinge in Neustift zwischen 1950 und 1960, mit ihnen als Schuhmachermeister ging die Epoche der selbstgemachten Schuhe zu Ende. Die Fabrikfertigung setzte ein und verdrängte das Handwerk.